Willkommen beim Lanxess Geschäftsbericht 2012!

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Forschung und Entwicklung

Der Bereich Forschung und Entwicklung trägt mit der Entwicklung innovativer Verfahren und Produkte sowie der ständigen Weiterentwicklung bestehender Produktionsprozesse maßgeblich dazu bei, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und unser Geschäft weiter auszubauen.

Im Jahr 2012 haben wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten deshalb konsequent intensiviert. Bestehende Produkte und Verfahren wurden mit einem kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont weiterentwickelt und optimiert. Vor allem in der Group Function Innovation & Technology wurden darüber hinaus mittel- bis langfristig angelegte Forschungsprojekte initiiert, um auch in den Wachstumsbereichen der Zukunft erfolgreich zu sein und so den nachhaltigen Erfolg des Konzerns zu sichern.

Wesentliche Forschungsprojekte wurden im Segment Performance Polymers vorangetrieben, das sich auf den Megatrend Mobilität fokussiert. Dort investierten wir unter anderem in die Weiterentwicklung von Hochleistungskautschuken, die dazu beitragen, die Brems-, Abrieb- und Nassrutscheigenschaften von Reifen weiter zu verbessern. In diesem Rahmen entwickelten wir einen Konzeptreifen, der bereits heute eine doppelte A-Bewertung gemäß der neuen EU-Reifenkennzeichnungsverordnung hinsichtlich Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung erhalten hat. Unser Hochleistungskautschuk Nd-PBR trägt ferner zu einer verbesserten Laufleistung bei. Damit untermauern wir unsere Position als führendes Unternehmen der Spezialchemie, das „Grüne Mobilität“ ermöglicht. Darüber hinaus ist das Thema der Nachhaltigkeit bei der Rohstoffversorgung von besonderer Bedeutung. LANXESS setzt hierbei auf biobasierten Kautschuk. Seit Ende 2011 vertreiben wir EPDM-Kautschuk-Typen, die nicht nur auf der Basis von Erdöl, sondern auch unter Verwendung von aus Zuckerrohr gewonnenem Ethylen produziert werden.

Auch das Segment Performance Chemicals setzt trendorientierte Impulse im Bereich Forschung und Entwicklung. Nach erfolgreicher Inbetriebnahme der Membranfilterproduktion in Bitterfeld haben wir neue Membranfilterelemente mit hohem Rückhaltevermögen beziehungsweise einer hohen Flussrate in unser Sortiment aufgenommen. Zudem entwickelten wir ein hochwirksames synthetisches Eisenoxid zur Reduzierung von Schwefelwasserstoff in Biogas, das sich unter anderem durch eine einfache Dosierung im Fermentationsprozess auszeichnet. Neu entwickelt wurden hier auch Eisenoxide für die Herstellung von Kathoden für Lithium-Ionen-Batterien. Die Produkte zeichnen sich für den Einsatz im Bereich der Elektromobilität vor allem durch gute morphologische Eigenschaften und hohe Reaktivität aus.

Kostenentwicklung und Beschäftigte

Die Forschungs- und Entwicklungskosten betrugen 2012 insgesamt 192 Mio. €. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 33 % und einem Umsatzanteil von 2,1 % (Vorjahr: 144 Mio. € bzw. 1,6 %). Der größte Anteil der Aufwendungen entfiel auf die Business Units Butyl Rubber, Technical Rubber Products, High Performance Materials und Saltigo. Im Jahr 2012 vereinigten diese 61 % unserer Gesamtaufwendungen für Forschung und Entwicklung auf sich (Vorjahr: 54 %). Hinsichtlich des Anteils der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen an ihrem jeweiligen Umsatz weisen unsere Business Units Butyl Rubber, Saltigo, Material Protection Products und Ion Exchange Resins die höchste Forschungsintensität auf.

Die Entwicklung der Forschungs- und Entwicklungskosten in den vergangenen fünf Jahren kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Forschungs- und Entwicklungskosten
           
  2008 2009 2010 2011 2012
           
Forschungs- und Entwicklungskosten in Mio. € 97 101 116 144 192
in % der Umsatzerlöse 1,5 2,0 1,6 1,6 2,1
 

Eine langfristige Finanzierungszusage der Europäischen Investitionsbank (EIB) wird unseren finanziellen Spielraum für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den kommenden sechs Jahren weiter vergrößern. Die von der in Luxemburg ansässigen Förderbank der EU erteilte Zusage umfasst einen mit attraktiven Konditionen versehenen Kreditrahmen von 200 Mio. €. Wir sehen in dieser Partnerschaft eine Bestätigung unseres Innovationspotenzials und die Anerkennung unserer konsequenten Ausrichtung auf nachhaltige Produkte und Produktionsprozesse.

Entwicklung Beschäftigtenzahl im F&E-Bereich
           
  2008 2009 2010 2011 2012
           
Stand am Jahresende 453 489 519 731 843
in % des Konzern-Beschäftigtenzahl 3,1 3,4 3,5 4,5 4,9
 

Zum Jahresende 2012 beschäftigten wir in unseren Forschungs- und Entwicklungslaboratorien weltweit 843 Personen (Vorjahr: 731 Personen). Um die Leistungen von Spitzenforschern und wissenschaftlichen Experten zu würdigen, Motivation und Perspektiven für eine Karriere in Forschung und Entwicklung zu schaffen sowie den Fokus noch stärker auf Innovation und unsere Premium-Strategie zu richten, haben wir 2012 die Auszeichnung „Group Senior Scientist“ ins Leben gerufen. Die ersten Auszeichnungen für herausragende und nachhaltige wissenschaftlich-technische Leistungen mit entsprechendem Ergebnisbeitrag wurden bereits vergeben.

Unsere größeren Forschungs- und Entwicklungseinheiten befinden sich an den Standorten Leverkusen, Krefeld-Uerdingen, Dormagen (Deutschland), London (Kanada) sowie Qingdao und Wuxi (China). Dort entwickeln und testen wir beispielsweise Hochleistungskautschuke für energiesparende „Grüne Reifen“ oder Hightech-Kunststoffe für den Leichtbau in der Automobilindustrie. Auch in Hongkong sind wir seit Dezember 2012 mit einem Entwicklungszentrum für Hightech-Kunststoffe präsent und stärken auf diese Weise unsere Beziehungen zu den Automobilherstellern in der asiatisch-pazifischen Wachstumsregion.

Themengebiete und Patentstrategie

Im Jahr 2012 bearbeiteten wir rund 235 Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Vorjahr: 210), davon ca. 145 mit dem Ziel, neue Produkte und Anwendungen zu entwickeln bzw. bestehende zu verbessern (Vorjahr: 125). Die verbleibenden etwa 90 Projekte befassten sich unter den Zielsetzungen Kostensenkung, Effizienzsteigerung oder Kapazitätserhöhung mit verfahrenstechnischen Themen (Vorjahr: ca. 85). Etwa 25 % unserer Forschungs- und Entwicklungsprojekte aus 2012 planen wir bis Ende 2013 im Markt zu implementieren bzw. in der Technik zu starten (Vorjahr: ca. 20 %).

Unsere Forschungs- und Entwicklungsergebnisse werden – wo es möglich und sinnvoll ist – von Patenten geschützt. Im Laufe des Jahres 2012 haben wir weltweit 90 Prioritätsanmeldungen getätigt. Das gesamte Patentportfolio bestand zum 31. Dezember 2012 aus ca. 1.100 Patentfamilien mit ca. 7.600 einzelnen Schutzrechten.

Organisatorische Ausrichtung

Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten orientieren sich strikt an den Bedürfnissen des Marktes und unserer Kunden. Entsprechende Forschungs- und Entwicklungseinheiten sind daher organisatorisch den Business Units zugeordnet. So konzentrieren sich Business Units mit ausgeprägten Anteilen an Produkten mit hoher Marktreife – beispielsweise Advanced Industrial Intermediates – darauf, ihre Produktionsanlagen und -verfahren stetig zu verbessern (Prozessoptimierung). Andere Business Units fokussieren ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verstärkt darauf, ihre Produkte und deren Qualität zu optimieren sowie neue Produkte zu entwickeln, die auf die Erfordernisse des Marktes und die besonderen Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet sind. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unsere Forschungsprogramme künftig noch direkter und konsequenter an den großen globalen Megatrends auszurichten: dem wachsenden Bedürfnis nach Mobilität, dem sich deutlich erhöhenden globalen Nahrungsmittelbedarf, der zunehmenden Urbanisierung und dem steigenden Wasserbedarf.

Die Grundlagenforschung konzentriert sich bei uns überwiegend auf Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Diese Form der Wissensgenerierung ist wesentlich effizienter und kostengünstiger, als die entsprechenden Ressourcen selbst vorzuhalten. Im Jahr 2012 bestanden insgesamt 203 (Vorjahr: 145) größere Forschungs- und Entwicklungskooperationen, davon 78 mit Hochschulen (Vorjahr: 50), 66 mit Zulieferern oder Kunden (Vorjahr: 55) und 59 mit Forschungsinstituten (Vorjahr: 40).

Group Function Innovation & Technology

Unsere Group Function Innovation & Technology ergänzt als zentrale Einheit die Forschungsarbeiten unserer Business Units mit neuen, längerfristigen bzw. Business Unit-übergreifenden Projekten. So stellen wir sicher, dass mögliche Synergiepotenziale voll ausgeschöpft werden und Innovationen in unterschiedliche Unternehmensbereiche übertragen werden können.

Im Jahr 2012 bauten wir die Group Function in allen Bereichen weiter aus und stärkten sowohl unsere chemische als auch technische Kompetenz maßgeblich. So gründeten wir vor dem Hintergrund steigender Energiepreise ein zentrales Energieteam aus Experten verschiedener Fachrichtungen. Seine Aufgabe ist es, konzernweit Energieeffizienz-Projekte zu realisieren und technologische Kompetenz rund um das Thema Energie vorzuhalten. Auch unsere Engineering-Kompetenz haben wir erweitert, um große Investitionsprojekte mit eigenem Know-how durchführen zu können.

Die Forschungsschwerpunkte der Group Function liegen auf den beiden jeweils in eigenen Abteilungen behandelten Themenfeldern „Process Innovation“ und „Product Innovation“.

Im Bereich „Process Innovation“ widmen wir uns der Entwicklung neuer Prozesse und der Integration neuer Technologien in unsere bereits bestehenden Produktionsprozesse mit dem Ziel der Kosten- und Technologieführerschaft. Ein Schwerpunkt liegt darauf, unsere aktuellen Produktionsprozesse im Hinblick auf Optimierungspotenziale mit mathematischen und experimentellen Methoden zu überprüfen. Auf diese Weise konnten wir bereits erhebliche Rohstoff- und Energieeinsparmöglichkeiten identifizieren und in einigen Bereichen schon realisieren. Die Betriebskosten konnten wir außerdem weiter senken, indem wir unsere Konzepte zur Prozessführung in einigen Betrieben umsetzten. Die neu implementierten Prozessführungskonzepte – unter Einschluss der Online-Analytik – ermöglichen es, unsere Anlagen noch näher am optimalen Betriebspunkt zu fahren und dadurch nicht nur Kosten zu reduzieren, sondern in einigen Fällen auch die Kapazität zu erhöhen. Darüber hinaus arbeiten wir vor dem Hintergrund unserer strategischen Wachstumsinitiative noch intensiver daran, unsere Prozesse für Wachstumsprojekte technologisch weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang haben wir im Jahr 2012 ein neues verfahrenstechnisches Labor eingerichtet. Dort können wir nicht nur bestehende Prozesse optimieren, sondern auch neue Verfahren entwickeln und untersuchen, inwieweit sie sich auf den industriellen Maßstab überführen lassen.

Der Bereich „Product Innovation“ konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Produkte und neuer Anwendungen für bestehende Produkte sowie auf Produktmodifizierungen. Die Suche nach neuen Produkten ist dabei breiter angelegt als in den Business Units, die Themenschwerpunkte in der Regel Business Unit-übergreifend und der Zeithorizont mittel- bis langfristig. Unsere Forschungsziele leiten sich auch hier aus den globalen Megatrends ab. Seit der Einführung unserer intranetbasierten Ideenplattform „Xplore“ Anfang 2011 werden in regelmäßig initiierten Aktionen, sogenannten Challenges, weltweit Ideen und Lösungen für zukunftsweisende Innovationen entwickelt. Beispielsweise entwickelte das Siegerteam der im Berichtsjahr abgeschlossenen Challenge zum Thema „Nachhaltigkeit“ eine neuartige Methode zur Beseitigung organischer Verunreinigungen aus Trinkwasser. Der große Erfolg dieser Plattform trägt maßgeblich dazu bei, unsere konzerninterne Innovationskultur zu fördern. Mithilfe standardisierter Prozesse wurden bereits zahlreiche Ideen zu konkreten Projekten ausgestaltet. Diese bewerten wir regelmäßig hinsichtlich ihrer technologischen und wirtschaftlichen Attraktivität. Unser breites Netzwerk externer Partner haben wir mit neuen Kooperationen mit Universitäten, Instituten und fachlich führenden Unternehmen, unter anderem in den Bereichen Biotechnologie, Nano- und Mikrotechnik sowie Membrantechnik, weiter ausgebaut.

Seit 2010 arbeiten wir eng mit der Russischen Akademie der Wissenschaften zusammen – einer der weltweit renommiertesten wissenschaftlichen Einrichtungen mit mehr als 285-jähriger Geschichte – und haben in der Zwischenzeit ein Forschungsnetzwerk mit führenden russischen Instituten und Universitäten etabliert. Unter dem Leitthema „Chemistry – Shaping the Future“ veranstalteten wir im November 2012 ein gemeinsames wissenschaftliches Symposium in Moskau. Die Konferenz mit Wissenschaftlern beider Länder bot im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland ein vielfältiges Themenspektrum aus den unterschiedlichen Disziplinen der Chemie – angefangen bei der Katalyse-Chemie über Polymer- und organische Chemie bis hin zu Fragen der Materialwissenschaften.

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